Mittelstand gut gerüstet

Die Qualität der Bilanzen im Mittelstand hat sich erneut verbessert. Damit setzt sich der positive Trend zur Optimierung der Bilanzqualität nunmehr im achten Jahr fort. Sowohl die Eigenkapitalquote als auch die Liquiditätssituation der mittelständischen Unternehmen übertreffen inzwischen das Vorkrisenniveau deutlich. Dies ist das Ergebnis einer Auswertung von über 70.000 Bilanzen mittelständischer Unternehmen durch die Kollegen der Universität Münster (Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Controlling). Betrug der Indexwert der für das Jahr 2002 erstellten Bilanzen erst 92,1 Punkte, erreichen die Bilanzen des Geschäftsjahres 2010 den Wert von 114,7 Punkten (Vorjahr: 109,9 Punkte). Zur Ermittlung des Bilanzqualitätsindexes haben die Bilanzexperten die Eigenkapitalquote, die Gesamtkapitalrentabilität sowie weitere wesentliche Finanzkennzahlen herangezogen (siehe unten).

Damit haben die mittelständischen Unternehmen den Konjunkturaufschwung im Jahr 2010 genutzt  und  vor allem ihr Liquiditätsmanagement weiter optimiert. Durch die gute Liquiditäts- und Kapitalausstattung sind sie auf künftige Herausforderungen gut vorbereitet.

Nach einem deutlichen Rückgang in den vergangen beiden Jahren zeigt sich die Bilanzqualität der Kfz-Zulieferer mit einem Wert von 116 Punkten (nach 71 im Vorjahr) deutlich erholt. Auch der Index des Fahrzeughandels erhöhte sich nochmals (von 92 auf 98 Punkte). Damit profitierte die Automobilbranche von der großen Nachfrage aus den Schwellenländern, insbesondere China. So hat auch die weltweite Produktion deutscher Hersteller stark zugenommen, was sich für die Zulieferer entsprechend auszahlte. Ebenfalls positiv wirkte sich der Wirtschaftsaufschwung auf die Bilanzen der konjunktursensiblen Branchen der Metallerzeugung, im Maschinenbau sowie der Hersteller von Kunststoffwaren aus. Die Metallerzeugung und -bearbeitung steht mit einem Indexwert von 127 Punkten im Branchenvergleich am besten da. Vor allem die deutsche Stahlindustrie hat sich von dem vorangegangenen Konjunktureinbruch schnell erholt und konnte die Produktion und Auslastung der Anlagen deutlich erhöhen.

Dagegen haben sich nach einer positiven Vorjahresentwicklung die Bilanzen des Baustoff-Großhandels (von 111 auf 100 Punkte) und des Baugewerbes (von 93 auf 91 Punkte) erstmals wieder verschlechtert. Das Baugewerbe trägt damit im Branchenvergleich die rote Laterne. Insbesondere der öffentliche Bau entwickelte sich trotz milliardenschwerer Konjunkturprogramme rückläufig. Auch der Facheinzelhandel konnte ungeachtet eines Umsatzanstieges seine Bilanzen nicht weiter verbessern (aktuell: 111 Punkte, Vorjahr: 119 Punkte).

Hohe Eigenkapitalquote ermöglicht Investitionen

Die seit Jahren zu verzeichnende kontinuierliche Verbesserung der Eigenkapitalausstattung hat auch 2010 angehalten. Lag die Eigenkapitalquote im Jahr 2002 nur bei 17,4 %, wurde 2010 erstmals die Marke von 30 % übertroffen (31,2 %). Die hohe Eigenkapitalausstattung erleichtert den mittelständischen Unternehmen neue Investitionen und die Finanzierung neuer Aufträge.

Leichte Verbesserung erwartet

Für das Geschäftsjahr 2011 erwartet die WGZ BANK, welche die Studie übrigens in Auftrag gegeben hat, eine leichte Steigerung der Bilanzqualität im Mittelstand. Hierzu dürften die zumindest in den ersten drei Quartalen positive Konjunkturentwicklung verbunden mit einer regen Investitionstätigkeit als auch der Liquiditätsaufbau der Unternehmen beitragen. Deren Rentabilität jedoch wird durch die volatile Rohstoffpreisentwicklung, den Fachkräftemangel sowie die Überauslastung von Kapazitäten belastet.  Für das kommende Jahr rechnen die Experten  allerdings nicht mit einer Fortsetzung der positiven Entwicklung, denn die sich abzeichnende Konjunktureintrübung 2012 wird ihr Übriges dazu beisteuern, dass die Unternehmensbilanzen bestenfalls das Niveau von 2011 erreichen werden.

Bilanzqualitätsindex aus fünf Kennzahlen berechnet

Meine Kollegen von der Universität Münster haben den Bilanzqualitätsindex aus fünf Kennzahlen der Jahresabschlüsse ermittelt, die gleich gewichtet wurden.

  • Eigenkapitalquote: Je höher die Eigenkapitalquote ist, desto besser können zeitweilige Verlustphasen überstanden werden.
  • Gesamtkapitalrentabilität: Je höher die Rentabilität des gesamten eingesetzten Kapitals ist, desto effizienter geht das Unternehmen mit dem Kapital um.
  • Gesamtkapitalumschlag: Je schneller das eingesetzte Kapital umgesetzt wird, umso besser kann das Unternehmen mit seinem Kapital neue Umsätze generieren.
  • Liquidität 2. Grades: Je höher die Liquidität 2. Grades ist, desto leichter können kurzfristige Verbindlichkeiten bedient werden.
  • Dynamischer Verschuldungsgrad: Je niedriger der dynamische Verschuldungsgrad ausfällt, desto besser kann das Unternehmen seine Schulden aus dem Cashflow tilgen
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